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IM MITTELPUNKT DER MENSCH
Neulich treffe ich eine Freundin, die in einer großen
österreichischen Bank arbeitet und von Personalmaßnahmen erzählt:
"Letztes Jahr wollten sie 2 aus unserer Abteilung abbauen, aber
dann hat der Betriebsrat es doch durchgesetzt, dass sie bleiben
können - aber wie lange noch? Die beiden sind unglücklich, die
eine ist schon seit Wochen im Krankenstand wegen Depressionen und
wir anderen wissen nicht, wen es als nächstes treffen wird."
Auf meine Frage hin, ob sie irgendwelche Ziele und Kriterien für
den Personalabbau kenne, meinte meine Freundin: "Die eine war
die Feindin von der Freundin vom Chef." Hoffen wir, dass Sie
nie die Feindin der Freundin vom Chef werden!
Was ist hier passiert?
Personalabbau wurde
versucht durchzusetzen, ohne objektive und für alle Beteiligten und
Betroffenen nachvollziehbare Kriterien zu definieren.
Was ist der Erfolg?
Eine Mitarbeiterin kostet
nun doppelt so viel wie vorher (sie muss ersetzt und bezahlt werden)
und alle Kollegen sind zutiefst verunsichert - jeder fragt sich
bang, ob und wann er der nächste sein wird.
Alle diese Mitarbeiter
arbeiten tagtäglich im direkten Kundenverkehr an den Schaltern. Was
meinen Sie, wie viel Stress und Druck diese Mitarbeiter zur
Zufriedenheit der Kunden bewältigen? Alle
Diese Mitarbeiter haben Verwandte, Freunde, Bekannte. Was meinen
Sie, was sie diesen über ihr Unternehmen erzählen?
Wenn einer, der unfreundlich behandelten Kunden, einer der
Bekannten, der dieselbe Geschichte wie ich gehört hat, auf einem
Plakat, in einer Anzeige den Namen dieser Bank liest, woran glauben
Sie wird er automatisch denken? An die schönen Werbeversprechungen
oder an die "persönlich erlebte" Geschichte?
Was lernen wir daraus?
"Im Mittelpunkt der Mensch" ist ein vollkommen
richtiges Schlagwort, dass in jedem Fall zutrifft: positiv wie
negativ stehen für uns die Geschichten von Menschen im Mittelpunkt.
Menschen und ihre
persönlich erzählten Geschichten beeindrucken mehr als
schematisierte, wohldurchdachte Aussagen und Formulierungen; sie
bleiben länger im Gedächtnis haften und wir verspüren ein
größeres Bedürfnis, sie anderen zu berichten.
Der Effekt: Mehr Menschen erfahren davon und glauben, was sie
hören, weshalb sie es eher weitererzählen.
Eine Erkenntnis, die auch Politiker immer mehr dazu bringt,
Sachverhalte über Geschichten zu erklären. Schon Jesus sprach in
erster Linie in Gleichnissen. Dieser Effekt ist also schon sehr
lange bekannt.
Haben wir als Manager und Führungsverantwortliche schon das
Beste daraus gemacht? Sorgen
wir täglich dafür, dass unsere Mitarbeiter gute, interessante
Geschichten über ihren Arbeitsplatz, über ihr Unternehmen
erzählen können? Haben wir auch für unangenehme,
unerfreuliche Situationen eine Vorgangsweise etabliert, die es allen
ermöglicht, ihr Selbstwertgefühl zu behalten? Und den Ruf des
Unternehmens positiv zu beeinflussen?
Haben Sie den Mut zur Veränderung! Denn: Es kommt nicht darauf
an, was wir bisher gemacht haben. Es kommt darauf an, was wir in
Zukunft tun werden.
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